Hobby-Imkerin in der Großstadt

Hobby-Imkerin in der Großstadt

In Großstädten gibt es seit einigen Jahren einen Trend zum Stadtimkern. Mitten in der Stadt werden auf Dächern, in Kleingärten oder Parks von Hobbyimkern moderne Bienenkörbe aufgestellt. Im Internet lassen sich die Imkervereinigungen einiger Millionenstädte finden.

Ich habe mich mit Hilke getroffen, die im Altona-Nord in Hamburg seit Juni 2013 zwei Bienenvölker betreut.

Bienen

Bienen

Florian: Wie kommt man überhaupt dazu Bienen zu halten und Imkerin zu werden? Hast Du Verwandte die Imker sind?

Hilke: Nee, gar nicht. Ich habe in der Verwandtschaft niemanden, der mit Bienen oder überhaupt Landwirtschaft zu tun hat. Ich habe immer bei uns im Schrebergarten die Bienen beobachtet und fand das total spannend und schön. Und dann habe ich mich dafür mehr interessiert und überlegt, ob wir im Kleingarten Bienen haben könnten. Schließlich habe ich mich für einen Imkerkurs angemeldet.

Florian: Das wäre jetzt meine nächste Frage gewesen – Du hast also eine Ausbildung gemacht?

Hilke: Ich habe vor zwei Jahren einen Kurs im Imkerverein Altona gemacht. Das geht dann über eine komplette Saison und ist so eine Art Grundausbildung. Das ist fast ausschließlich Theorie, zweimal waren wir mit an den Bienen. Die Imkerin, die den Kurs angeboten hat, die wandert mit ihren Bienen in den Raps und da sind wir mitgegangen. Sonst hat sie ihre Bienen in der Nähe des Botanischen Gartens stehen, da haben wir auch einmal mitgeguckt, was sie da so macht.

Florian: Was kostet so ein Kurs?

Hilke: Weiß ich gar nicht mehr. 125,- Euro? Es waren dann auch so um die 10 Termine. Das war schon wirklich super, sehr informativ. Richtig gut gemacht. Ich habe da unglaublich viel gelernt. Das hat mich auch in meiner Entscheidung für die Bienen sehr weitergebracht. Als ich den Kurs angefangen habe, war ich noch unsicher, ob ich wirklich selber Bienen haben möchte. Unsere Lehrerein hat das aber sehr vorangetrieben und immer wieder gefragt: »Hast Du schon einen Standort für die Bienen?« Das hat mich dann echt angespornt.

Bienentanz

Wenn eine Biene Pollen entdeckt hat, informiert sie die anderen Bienen mit Hilfe einer Reihe von Tanzbewegungen über den genauen Ort. Die Anzahl der Drehungen, die Dauer und die Ausrichtung beschreiben die Entfernung und die Richtung in der die Futterquelle liegt.

Florian: Bist Du jetzt »geprüfte Imkerin«?

Hilke: (lacht) Nee. Im Grunde kann das jeder machen. Du könntest Dir jetzt einfach Bienen anschaffen und einfach loslegen. Das ist aber nicht wirklich zu empfehlen. Das einzige, was man machen muss: Die Bienen müssen beim Veterinäramt angemeldet werden (Anmerkung: Grundlage ist die »Viehverkehrsordnung«, die heißt tatsächlich so). Das ist kostenlos, muss aber gemacht werden.

Florian: Du musstest die Bienen dann auch irgendwo aufstellen. Stehen die in deinem Schrebergarten?

Hilke: Nein, das war mir zu eng. Ich habe über Google Maps geguckt, ob hier um die Ecke – in der Nähe von unserer Wohnung – etwas schön grün ist. Und habe gesehen, das bei der Kirche ein richtig großer Garten ist. Da habe ich dann einfach nachgefragt. Die waren sofort begeistert und wollten das.

Die Beute

Die Beute

Florian: Du hast jetzt zwei Völker – oder sind es drei?

Hilke: Ich habe mit zwei Ablegern angefangen – das sind so Jungvölker von denen man noch keinen Honig erntet. Im zweiten Jahr habe ich die Völker geteilt und habe dadurch jetzt drei Bienenvölker. Dieses Jahr habe ich schon wieder Ableger gemacht und jetzt also fünf Völker. Ich werde diese im Herbst aber wohl wieder vereinigen. Man hat so ein Bienenvolk quasi »in Reserve«, falls es ein Volk ’mal nicht durch den Winter schafft.

Florian: Es ist doch aber so, dass Bienen die Zugehörigkeit zu einem Volk erkennen können – kannst Du sie wieder einfach zusammenlegen oder führen die dann Krieg gegeneinander?

Hilke: Das ist ein bißchen gemein. Man nimmt denen einfach ihr Zuhause weg. Vorher muss man die Bienen ordentlich mit Rauch einnebeln, dann schlagen die Bienen sich ihren Honigmagen voll …

Florian: … Rauch, die Bienen glauben es brennt, Gefahr droht, vorsorglich wird Energie getankt und  der Honigmagen gefüllt …

Hilke: … und dann kann man die Waben mit den Bienen einfach bei einem anderen Volk dazuhängen. Und die Flugbienen, die finden zwar ihren Bienenstock nicht wieder, haben aber einen vollen Magen und können sich irgendwo anders einbetteln. Die haben quasi ein Gastgeschenk dabei: »Ich kann arbeiten und bringe etwas Süßes mit.«

bienen-04

Florian: Eine der Königinnen musst Du dann aber beseitigen?

Hilke: Im letzten Jahr habe ich einfach das Volk entscheiden lassen, welche der beiden Königinnen sie besser finden. Ich habe die Königin mit in den anderen Stock gehängt.

Florian: Dann merken die Bienen nach einiger Zeit, daß sie zwei Königinnen haben …

Hilke: … und eine muss dann sterben. Das Volk sucht sich die bessere Königin aus.

Florian: Als Imkerin musst Du dich auch um die Gesundheit der Völker kümmern – was sind da die größten Gefahren?

Hilke: Eine große Gefahr ist die »Amerikanische Faulbrut«, das ist eine Bienenseuche, die man auch anzeigen muss beim Veterinäramt. Die Krankheit gab es vor drei Jahren hier im Bezirk. Die Imker die in einem bestimmten Radius um die betroffenen Bienen mit ihren Völkern stehen, die dürfen ihre Bienen dann nicht mehr aus dem Bezirk heraus bringen um die Krankheit nicht weiter zu verbreiten. Man darf auch keine Völker in den Bezirk herein bringen. Das ist gerade in dem Jahr passiert, als ich meine Bienen bekommen sollte und da musste ich warten, bis der Sperrbezirk aufgehoben wurde. Die Krankheit breitet sich auch aktuell (2015) wieder aus. In Hamburg sind gerade Wilhelmsburg und Wandsbek »Sperrbezirk«.

bienen-05

Florian: Würdest Du Anzeichen von »Amerikanischer Faulbrut« erkennen?

Hilke: Ich glaube schon. Da vergammelt quasi die Brut in den Waben. Man kann auch eine sogenannte »Streichholzprobe« machen: Du steckst ein Streichholz in eine Wabe und wenn es beim Herausziehen so Fäden zieht ist das ein Anzeichen für die Seuche.


Das Video zeigt die Entwicklung einer Biene im Zeitraffer.


Florian: Was ich neulich gelesen habe – und sehr interessant fand – Bienen haben heute in der Stadt ein viel breiteres Angebot an Blüten, Pollen und Nektar als auf dem Land. Auf dem Land gibt es große bewirtschaftete Monokulturen. Da gibt es einen Monat ein Überangebot, z.B. an Raps, aber wenn der verblüht ist, gibt es für die Bienen im großen Umkreis nichts mehr.

Hilke: Das ist mittlerweile so, daß die Imker vom Land in die Stadt wandern, weil es hier in der Stadt ein größeres Trachtangebot gibt. Hinzu kommt, dass in der Stadt die Belastung durch Pestizide geringer ist – natürlich benutzen auch Privatleute Pestizide, aber eben nicht in dem Ausmaß.

Wenn man sich ’mal überlegt, wie das früher war: Wenn ich als Kind mit meinen Eltern im Auto auf dem Land unterwegs war, dann hatte man ständig die Windschutzscheibe vorne voller Insekten. Das ist heute nicht mehr so. Das ist schon auffällig. Das betrifft nicht nur Bienen sonder alle Insekten. Im Imkerverein hatten wir einen Abend, an dem jemand über das Thema doziert hat und der hat gesagt: Es sterben die ganzen Insekten aus, weil sie keinen Lebensraum mehr finden und von den Monokulturen sind sie ähnlich betroffen wie die Honigbienen. Dadurch gibt es dann auch weniger Vögel. Da gibt es einen generelle Rückgang der Artenvielfalt.

bienen-02

Florian: Wie groß ist dein Zeitaufwand für deine Bienen? Was musst du regelmäßig machen?

Hilke: Ich muss ungefähr von Anfang April bis August einmal die Woche zu den Bienen. Im Frühjahr muss man alles sehr gründlich durchgucken, alle Rahmen mit den Waben herausnehmen und ansehen.Wenn die Bienen sich im Frühjahr vermehren und es im Stock eng wird, dann bauen die Bienen größere Zellen an, wo sie sich Königinnen nachziehen. Das ist ein Zeichen dafür, das das Volk sich teilen und schwärmen will. In der Stadt ist das nicht so toll, wenn man Bienenschwärme ’rumsausen hat. Außerdem würde ich wenn die Bienen schwärmen dann ja die Hälfte eines Volkes – das mit der neuen Königin den Stock verlässt – verlieren. Und dann hätte ich auch weniger Honigertrag. Das versucht man als Imkerin zu verhindern … und geht einmal in der Woch nachschauen.

Florian: Das ist ja ein überschaubarer Zeitbedarf.

Hilke: Das finde ich auch. Ich bin jetzt auch nicht so geübt, das ich das alles so zack-zack durchgucke. Ich bin dann schon ’mal so drei bis vier Stunden am arbeiten. Aber das macht mir auch total viel Spaß. Hinzu kommt noch die Arbeit mit der Honigernte und der Verabeitung des Honigs.

bienen-06

Florian: Ist die Honigernte einmal oder zweimal im Jahr?

Hilke: Das mache ich zweimal. Jetzt so im Juni steht das an und noch einmal so Ende Juli, Anfang August. Von den zwei Völkern habe ich im letzten Jahr so ca. 70 kg Honig geerntet. Das war aber auch ein sehr gutes Jahr.

Florian: Und die Bienen lassen sich den Honig einfach so ’wegnehmen?

Hilke: Ja – etwas ungern natürlich. Aber ich laß denen auch tatsächlich etwas im Stock von ihrem Honig. Manche Imker ernten auch alles ab.


»Wer seinen Wohlstand vermehren möchte, der sollte sich an den Bienen ein Beispiel nehmen. Sie sammeln den Honig, ohne die Blumen zu zerstören. Sie sind sogar nützlich für die Blumen.«

Siddhartha Gautama Buddha
6. Jhd. v. Chr. – 5. Jhd. v. Chr.


 

Florian: Die Bienen bekommen dann Zucker als Ersatz für den Honig?

Hilke: Genau. Wenn ich den Honig geerntet habe, bekommen die Bienen Zuckerwasser, das verarbeiten die genauso wie den Nektar. Im ersten Jahr, als ich die beiden Völker bekommen habe, habe ich die so richtig aufgefüttert. Nach der ersten Honigernte habe ich den Bienen aber so viel Honig gelassen, dass ich kaum etwas zufüttern musste. Und ich hatte ja trotzdem eine gute Ernte.

Florian: Woher weißt Du, wieviel zugefüttert werden muss?

Hilke: Ich weiß so ungefähr, wieviel die Bienen über den Winter verbrauchen und wieviele Waben voll sein müssen. Das hängt natürlich auch davon ab, wie groß das Volk ist. Das kann man auch nachschlagen.

Hilkes Honig aus Altona-Nord, abgefüllt in handliche 250g Gläser.

Hilkes Honig aus Altona-Nord, abgefüllt in handliche 250g Gläser.

Florian: Hast Du jetzt noch regelmäßig Kontakt zu anderen Imkern?

Hilke: Doch. Ja. Der Imkerverein hier in Altona ist ziemlich aktiv. Da gibt es immer interessante Vorträge und Fortbildungen und auch die Leute aus dem Kurs treffe ich da immer wieder.

Florian: Gibt es ein Standardwerk, das jeder Imker gelesen haben sollte?

Hilke: Hmm. Das weiß ich gar nicht. Ich würde so einen Kurs auf jedem Fall immer empfehlen. Das ist wirklich ganz wichtig. Auch das man einen Ansprechpartner hat, den man bei Problemen immer fragen kann. Bücher habe ich gar nicht so viele gelesen. Im Kurs hatten wir so Unterrichtsmaterialien. Was wirklich zu empfehlen ist, ist das »Bienenjournal«, eine Fachzeitschrift für Imker. Die ist sehr informativ. Auch im Internet gibt es natürlich viele Informationen. Für den Austausch mit anderen Imkern ist das »Imkerforum« sehr gut.

Florian: Vielen Dank für das Interview!

 

WEITERFÜHRENDE LINKS

Imkerforum
http://imkerforum.de/

Bienenjournal
http://www.bienenjournal.de/

Podcast von Greenpeace
http://greenpeace-berlin.de/fileadmin/user_upload/greencast/_153_Beemyfriend.mp3

Stadtimker
http://stadtimker.de/

Bienenkiste
http://www.bienenkiste.de/urban-beekeeping/index.html

Deutschland summt
http://www.deutschland-summt.de/

Wikibooks »Bienenkunde«
http://de.wikibooks.org/wiki/Einführung_in_die_Imkerei/_Bienenkunde

Liste der Veterinärämter
https://apisnetz.de/veterinaeraemter_D.php?bee=e837113f9224af714244492f2c8d950f