Hurra, wir dürfen zahlen

In ihrem Buch »Hurra, wir dürfen zahlen – Der Selbstbetrug der Mittelschicht« beschreibt  Ulrike Herrmann in erfreulicher Frische, wie die Steuerreformen des letzten Jahrzehnts     immer nur die Eliten entlastet und die Geringverdiener belastet haben. Wer weiß schon, dass der Spitzensteuersatz bei Einführung der modernen Einkommensteuer im Jahre 1920 bei 60% lag, auch in der Frühzeit der BRD  (zu Zeiten des Wirtschaftswunders) noch 53 bis 56 % betrug und erst durch die Agenda 2010 auf 42% herabgesetzt wurde? Wer weiß schon dass selbst Multimillionäre nie den Spitzensteuersatz zahlen (Stichwort »legale Steuergestaltung«: bei einem Jahreseinkommen von 22 Mill. Euro nur 34 %), während dem Normalverdiener über Steuern und Sozialabgaben etwa die Hälfte des Bruttoverdienstes abgenommen wird?

herrmann-hurra

In dem Kapitel über die angebliche Krankenversicherung wird gezeigt, wie die Mittelschicht Solidarität zeigen muss (und die Geringverdiener subventionieren muss) während die Spitzenverdiener sich ohne  jede Solidarität in die Privatkrankenversicherung verabschieden können.

Überraschung: Wer hätte je gedacht, dass die Rentenversicherung im Durchschnitt für Geringverdiener ein Minusgeschäft ist, während Spitzenverdiener auf Grund ihrer höheren
Lebenserwartung ein sattes Plus von 100000 Euro einfahren? Zur Erbschaftsteuer: Ausländische Experten wundern sich immer wieder, wie gering diese Steuern in Deutschland sind. Firmenbesitz kann inzwischen selbst in Milliardenhöhe ohne jede Steuer von Generation zu Generation weitergereicht werden …

In immer neuen Anläufen wird das Phänomen beleuchtet: Nur etwa 7 % der Bundesbürger
sind reich, dagegen besitzen 70 % fast gar nichts und dennoch finden sich immer wieder Mehrheiten für weitere Entlastungen der Eliten. All dies wird in einem flotten Stil gut lesbar dargestellt. Welch ungeheure Leistung in diesem Buch steckt, machen die umfangreichen Anmerkungen mit Literaturangaben am Ende des Buches deutlich, selbst diese noch oft mit Spaß zu lesen. Hoffnungsvoll stimmt das letzte Kapitel: An Hand des »New Deal« in den USA ab 1933, wird gezeigt, mit welchen Maßnahmen eine florierende Wirtschaft erzeugt werden kann,die allen Bürgern Wohlstand und Zufriedenheit bringt.

Wir lassen auch gerne Gastautoren bei uns zu Wort kommen. Der Text stammt von Wilfried Zietz. Vielen Dank, dass wir Deinen Text hier veröffentlichen dürfen!

Wie für alle vorgestellten Bücher gilt auch für dieses: Man kann das Buch bei Amazon oder bei anderen Anbietern im Internet bestellen, besser ist es aber, den lokalen Buchhandel zu unterstützen.