Christa Müller: Urban Gardening

Wir lassen auch gerne Gastautoren bei uns zu Wort kommen. Der folgende Text von Sophie Buschmann ist ihre stark gekürzte Hausarbeit über Christa Müllers Text in »Urban Gardening – Über die Rückkehr der Gärten in die Stadt«. Christa Müller ist außerdem auch Herausgeberin des Buches. Vielen Dank Sophie, dass wir Deinen Text hier veröffentlichen dürfen!

In dem Text von »Urban Gardening – Über die Rückkehr der Gärten in die Stadt« von Christa Müller geht es um das Gärtnern in Städten und wie dieses Phänomen die Gesellschaft beeinflusst und die Stadt aufwertet. Müller beschreibt die vielen verschiedenen Facetten von Gärten und deren Bedeutung für den Menschen. Immer mehr Menschen leben in den Städten und beginnen ländliches Flair in die Stadt zu holen, indem sie dort Pflanzen anbauen. Dadurch entsteht ein neues Verhältnis von Natur und Kultur. Die Vereinigung von Stadt und Land bringt aber vor allem Menschen zusammen. In diesem Aspekt liegt Müllers Schwerpunkt. Sie spricht von einem »Lern- und Begegnungsort«, den Gärten bieten.



Ein weiterer Aspekt, den Müller in ihrem Text aufgreift, ist der Wandel der Gesellschaft. Müller spricht von einem »Bioboom«, der sich in den Städten ausbreitet und diese verändert. Für die neue Generation wird Bio zunehmend »cooler« und »Teil ihres Lifestyles«.  Ein damit einhergehender neuer Trend sind die »Foodies«, welche Genuss an die erste Stelle setzen.

urban-gardening-1

Gärten bieten die Möglichkeit eines ersten kleinen Schrittes zur Besserung in der Agrarpolitik. Im gleichen Maße wie die Gärten eine Widerstandsbewegung gegen den Umgang mit Land und Ressourcen darstellen, so präsentieren sie auch einen Gegensatz zur Beschleunigung in der heutigen Welt. Gärten bieten Orte der Ruhe. Außerdem repräsentieren sie den Lebenszyklus des Werdens und Vergehens. Dadurch wird auch ein anderes Bewusstsein für das Reifen von Obst und Gemüse geschaffen, wodurch sich das Konsumverhalten ändert.

Gärtnern in Städten gibt es in den verschiedensten Ausprägungen: Anwohnergärten, Guerilla Gardening, Gemeinschaftsgärten oder Kinderbauernhöfe.  Außerdem gibt es Flächen für die Selbstversorgung (teilweise extra für Erwerbslose), Generationsgärten für eine Durchmischung der Gesellschaft oder auch Studierendengärten.

Ausführlich stellt Müller unter anderem den 6000 qm großen Prinzessinnengarten in Berlin vor. Die zwei Gründer bekamen Hilfe von ca. 150 Kiezbewohnern. Der Garten wird unter Anderem auch von Vereinen, Imkern, Heilpraktikern und Künstlern genutzt. Die Gründer sind der Meinung, dass Städte erst durch Handlungen entstehen und Gärten dabei helfen, die Städte zu formen. Der Prinzessinnengarten ist ein Ort, an dem unterschiedliche Berufe, Intentionen und Nationalitäten aufeinander treffen. Wichtig ist, dass er keine Verpflichtung für die Nutzer darstellen soll, sondern eine »flexible und punktuelle Teilhabe« ermöglicht. Obwohl der Garten nicht an Institutionen gebunden ist, bietet er trotzdem eine soziale Verbundenheit.

Ein weiteres Beispiel ist der Stadtteil Agropolis, der in München angelegt werden soll. Das Image dieses Stadtteils soll durch sehr viel Grün geprägt sein und es wird dafür geworben eine neue Nahrungsstrategie anzuwenden, beides mit dem Ziel eine höhere Lebensqualität zu schaffen. Regionale Ressourcen sollen nachhaltig so genutzt werden, dass vom Anbau bis zur Verarbeitung alles eigenhändig durch die Bürger erfahren werden soll. Die Zielgruppe besteht vor allem aus jungen Familien, die Landleben in der Stadt geboten bekommen sollen.

Das dritte im Text vorgestellte Projekt ist »mundraub.org«, eine Internetseite, auf der alle öffentlichen Plätze mit Obstbäumen oder Gemüsepflanzen in einer Karte verzeichnet sind. So kann von allen sinnvoll genutzt werden, was die Natur bietet und dem wieder eine höhere Wertschätzung zukommen lassen kann. Bezüglich der Nutzung der Allmende, das heißt der Gemeingüter, gibt es verschiedene Meinungen ob die Flächen  überbewirtschaftet werden oder gerade den höchsten Ertrag bei gemeinschaftlicher Nutzung bringen (S. 47). Allmende soll Menschen laut der Mundraub-Gründer zum Teilen anregen. Ein weiterer Aspekt ist die Wiederentdeckung der Umgebung.

Christa Müller beschreibt in ihrem Text sehr gut die Vielfältigkeit des städtischen Gärtnerns, sodass man als Leser einen guten Einblick bekommt. All das sind Wege die eigene Stadt zu verschönern und andere Menschen mit seinen Werken zu überraschen oder ebenfalls anzuheuern, sich für ein anderes Stadtbild einzusetzen. Ich finde diese neue Art des Gärtnerns sehr faszinierend, weil so ohne ausgebildete Landschaftsarchitekten oder Stadtplaner eine Stadt dahin gehend aufgewertet werden kann, dass die Lebensqualität gesteigert wird. Vor Allem kann somit jeder einzelne Bürger dazu beitragen.

Wie für alle vorgestellten Bücher gilt auch für dieses: Man kann das Buch bei Amazon oder bei anderen Anbietern im Internet bestellen, besser ist es aber, den lokalen Buchhandel zu unterstützen.

WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN
Mülller, Christa (2011): Urban Gardening – Über die Rückkehr der Gärten in die Stadt. München. Oekom Verlag.
Reynolds, Richard (2009): Guerilla Gardening – Ein botanisches Manifest. Zwickau. Westermann Druck.
http://www.zeit.de/themen/lebensart/urban-gardening/index