Der Hobby-Schäfer

Coburger Fuchsschaf

Coburger Fuchsschaf

Wie kommt man dazu, Schafe zu züchten? Stefan wohnt in einem kleinen Dorf in Hessen und ist eigentlich kein Bauer. Seit über zehn Jahren ist er stolzer Besitzer eine kleinen Herde von Coburger Fuchschafen (in der Regel 6-8 Mutterschafe, im Frühjahr mit zusätzlich 8-10 Lämmern), die auf einer gepachteten Fläche in der Nähe seines Hauses weiden. Wir haben Stefan getroffen und mit ihm über die Freuden und Leiden eines Schafhirten gesprochen.


Florian: So läuft. Aufnahme läuft.


Stefan: Ich hoffe, Du hast Deine Fragen alle parat.

Florian: Ich dachte, wir unterhalten uns jetzt einfach … Also Du bist … bist Du Schäfer richtig – ist das eine geschützte Berufsbezeichnung?

Stefan: Nein, es gibt den Ausbildungsberuf des Schäfers, das kann man lernen aber ich bin ja Hobbyschäfer.

Florian: Und das kann man einfach so werden? Du hast vor 15-16 Jahren einfach gedacht: Ich kauf mir mal ein Schaf, ich wohne jetzt auf dem Land …

Stefan: Im Prinzip kann man ein Schaf genau so kaufen und halten wie man ein Pferd oder einen Hund oder eine Katze kauft und hält. Das ist auch nicht schwierig sich da schlau zu machen, es gibt entsprechende Fachliteratur. Ich empfehle natürlich, das man vorher mit Leuten spricht, die auch schon Erfahrung haben und selber schon seit mehreren Jahren Schafe halten und sich von denen beraten lässt. Es fängt damit an, dass man sich klar macht, dass die Schafhaltung auch Arbeit bedeutet. Dann muss man bestimmte Dinge vorab klären: Welche Schafrasse wählt man aus. Die Auswahl hängt natürlich auch vom Standort ab.Es gibt Schafe, die sind eher genügsam und es gibt welche, die sich eher auf fetten Böden wohlfühlen. Dann gibt es sogenannte „Fleischschafe“, die ein bißchen mehr fressen als andere Schafrassen und es gibt „Landschafe“ die zur Landschaftspflege eingesetzt werden. Und das sind nur einige Punkte, die man beachten muss, wenn man sich Schafe anschafft.

Florian: Du hast jetzt hier „Coburger Fuchsschafe“, das ist eine eher seltene Rasse habe ich gelesen.

Stefan: Die Coburger Fuchsschafe stammen ursprünglich aus Nordbayern, jetzt auch in Nordhessen verbreitet und eben auch hier in Südniedersachsen. Die Rasse war vom Aussterben bedroht, es gibt jetzt aber wieder einige Tausend Schafe, durch die Hobbyhaltung im Wesentlichen. In Deutschland sind über 20 Schafrassen verbreitet und davon sind einige sehr stark bedroht; da ist zum Beispiel die weiße „Moorschnucke“ – (nicht zu verwechseln mit der Heidschnucke) die in den Diepholzer Moorniederungen vorkam. Oder das Leineschaf und das Rhönschaf …

Florian: Wie heißen diese ganz normalen Schafe, die man zum Beispiel bei uns im Norden auf dem Deich sieht?

Stefan: Das sind in der Regel Merinoschafe – das sind die mit den weißen Köpfen.

Florian: Die sind aber auch eher genügsam, die können bei jedem Wetter draußen stehen?

Stefan: Das trifft eigentlich auf alle Schafrassen zu. Die meisten Rassen sind so robust, dass sie das ganze Jahr draußen stehen können. Wenn es mal regnet, macht das den Schafen nichts aus. Wichtig ist, das die Tiere ordentlich zu fressen haben. Und die großen Schafherden werden nur in den Stall gebracht, wenn es draußen wirklich kein Futter mehr gibt.
Florian: Und vor 16 Jahren hast Du Dir also einfach fünf Schafe gekauft mit einem Schafbock.

Stefan: Mmh, ja. Wir hatten eine kleine Wiese am Haus, und da war die Überlegung, was machen wir mit der Wiese? Die Kinder waren klein, die wollten gerne Tiere haben. Weil wir kein Pferd kaufen wollten, haben wir Schafe gekauft. Und zwar drei Stück, zwei davon waren trächtig, dann hatten wir ganz schnell Lämmer und haben dann auch unsere Erfahrungen sammeln müssen. Wir haben die im ersten Jahr zum Beispiel im Winter eingesperrt, was gar nicht gut für die Schafe war, die wären viel lieber draußen geblieben. Zudem haben wir unsere Tiere auch zu gut gefüttert und deshalb in den ersten Jahren Schwierigkeiten beim ablammen gehabt. Deshalb ist die Beratung so wichtig.

Florian: Hattest Du denn jemanden hier im Ort, der Dich beraten konnte?

Stefan: Ja, es gab im Nachbardorf jemanden, der die gleiche Rasse hatte, der hat mich dann am Anfang etwas gecoacht. Allerdings ist man nach ein-zwei Jahren der Schafhaltung – wenn man sich damit intensiv befaßt – dann auch schon selber Spezialist, das geht relativ schnell.
Das Schöne an den Schafen ist, daß man sich mit den Schafen in der Natur beschäftigen kann, ihnen zusehen und ihr Verhalten beobachten kann. Und wenn die dann Lämmer kriegen ist das immer die schönste Zeit …

Florian: Und was macht ihr jetzt mit den Schafen? Eßt ihr regelmäßig Lammkeule oder Schafskäse? Macht ihr selber Käse? Strickst Du?

Stefan (lacht): Nein. Also, wenn man die Produkte vom Schaf selber nutzen will … Es gibt drei Produkte vom Schaf, das eine ist die Milch, dafür muss man Milchschafe haben, dass bedeutet, wenn die Lämmer geboren sind müssen die Mutterschafe angemolken werden. Da muss man sich aber im klaren sein, dass man die Schafe dann morgens und abends melken muss – und das jeden Tag. Und dann sollte man letztendlich mit der Milch auch etwas anfangen können. In der Regel wird die Milch zu Käse weiterverarbeitet und das ist eine sehr aufwändige Geschichte. Das sollte man sich sehr genau überlegen.
Das zweite Produkt ist die Wolle. Mit der Wolle kann man sehr vielfältige Dinge tun.  Ein Freund von uns hat die Wolle immer zur Isolierung – also Wärmedämmung – seines Hauses benutzt, weil das einfach baubiologisch ganz toll ist. Man kann die Wolle auch weitergeben, wenn der Schafscherer da ist – die Schafe werden ja einmal im Jahr geschoren. Man kann die Wolle aber natürlich auch selber waschen und dann spinnen.
Und das dritte Produkt ist das Fleisch. Wenn man Fleisch haben will, muss man die Tiere schlachten lassen. Auch hier sollte man sich gut überlegen, ob man Tiere schlachten kann und will. Zum Schlachten sollte man die Tiere dann zu einem zertifizierten – also annerkannten – Schlachter bringen der die Tiere dann artgerecht schlachtet.

Florian: Vor Ort also hier bei Dir kann man die nicht schlachten?

Stefan: Nein, vor Ort ist das verboten. Nach EU-Recht müssen beim Schlachen bestimmte Auflagen erfüllt warden, die von Veterinärämtern überwacht werden. So muss das Fleisch z. B. wurmfrei sein, eine Fleischbeschau muss stattfinden damit sichergestellt ist, dass das Fleisch hygienisch einwandfrei ist.

Florian: Noch einmal zurück zum Anfang. Wenn Schafe lammen, muss dann immer ein Tierarzt dabei sein oder kriegen die Schafe das allein hin?

Stefan: Wenn die Schafe gut gehalten werden, geht in der Regel alles von alleine. Wenn Rehkitze oder andere Säugetiere in derfreien Wildbahn geboren warden, erfolgt das in der Regel ohne Probleme und bei uns auf der Weide ist normalerweise auch so. Man kriegt den Geburtsvorgang mit. Die Schafe sind fünf Monate trächtig und wenn man weiß, wann der Bock dabei war, dann weiß man ungefähr, wann die Muttertiere lammen. Da muss man natürlich ein bißchen aufmerksam sein, muss zweimal am Tag nach den Tieren schauen. Wenn dann Komplikationen auftreten,zum Beispiel das Lamm verkehrt herum liegt, sollte man einen Tierarzt holen, der dann Geburtshilfe leistet. Die Geburt eines Schafes ist eine tolle Sache; schon nach einer Stunden laufen die Lämmer in der Regel mit den Müttern über die Weide.

Florian: Jetzt gibt es gerade Osterlämmer, das ist also einfach nur ein Sache der Planung. Hängt also nur davon ab, wann der Bock bei den Mutterschafen war, oder?

Stefan:  Es gibt verschiedene Schafrassen, sogenannte saisonale und asaisonale Schafrassen. Bei den asaisonalen Rassen ist es so, dass die immer wenn der Bock da ist auch aufnehmen können und da kann man den Geburtstermin dann quasi steuern.
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Florian: Bei Deiner Herde ist jetzt kein Bock dabei, Du leihst Dir immer einen aus.

Stefan: Genau. Mit den Böcken ist es nicht so ganz einfach, die können auch „falsch“ sein, im Stall viel Unruhe verbreiten, die Futteraufe oder auch andere Dinge zerstören oder auch – besonders im Alter ab zwei bis drei Jahren – bösartig gegen Menschen sein. Wir haben uns deshalb entschieden, immer für drei Monate einen Bock zu leihen, das ist für uns bequemer. Man kann auch einen eigenen Bock halten, aber der muss dann nach einem Jahr ausgewechselt werden, da er sonst seine eigenen Nachkommen bespringen. Würde man den Bock behalten, müsste man die Lämmer immer abgeben und die Herde würde allmählich immer älter. Mit einem geliehenen Bock kann man die Herde jünger halten und außerdem kommt immer frisches Blut in die Herde.

Stefan schenkt uns Kaffee nach und teilt die restliche Milch auf. Auf den sanft geschwungenen Hügeln hinter der entfernten Bundesstraße drehen sich die Windräder.

Stefan: Beim Halten von Schafen gibt es einige wichtige Dinge zu beachten. Zuallererst: Man muss genügend Platz haben, pro Schaf sollten es so ungefähr 1000 Quadratmeter sein. Außerdem dürfen die Tiere nicht immer auf derselben Weide stehen. Es sollte so circa acht Wochen Weideruhe geben. Der Wechsel der Weidefläche gibt dem Grünland Zeit zur Erholung und dämmt zusätzlich die Verbreitung von Parasiten ein.
Ein weiterer wichtiger Punkt: Wenn die sich Schafe nicht regelmäßig auf der Straße bewegen, dann muss man sich um die Klauenpflege kümmern – die Klauen müssen regelmäßig zurückgeschnitten werden. Wir machen das viermal im Jahr. Wenn das nicht erfolgt, können die Schafe sehr krank werden. Die Klauen reißen auf, in die Wunde setzt sich Dreck und es kann zu Entzündungen kommen. Das kann so schlimm sein, dass man die Tiere schlachten muss.
Noch ein wichtiger Punkt: Die Tiere können auch durch Bandwürmer sehr geschwächt werden, das ist ein weiterer Grund für den Wechsel der Weideflächen. Um den Wurmbefall zu vermeiden, bekommen die Schafe alle sechs Monate eine Wurmkur. Um solche Krankheiten zu erkennen, beobachtet man den Kot der Tiere, der sollte immer fest sein. Wenn der Kot flüssig ist, haben die Schafe entweder Probleme bei der Nahrungsumstellung oder eben Bandwürmer.

Florian: Was fressen die Schafe denn im Winter, wenn Schnee auf den Weiden liegt.

Stefan: Da treffen wir Vorsorge und haben Heu von artenreichen Grünflächen vorrätig. Das Heu kann man ergänzen, durch etwas Hafer oder Rübenschnitzel. Man kann auch trockenen Silage verfüttern,was aber für die Tiere weniger gut ist. Je nach Wetterlage muss man so ungefähr vier Monate zufüttern.

Florian: Hier auf dem Dorf kannst Du Das Futter einfach kaufen?

Stefan: Ja. So ein kleiner Ballen Heu kostet so circa drei Euro. Heu kann man wahrscheinlich auch in der Stadt kaufen.

Florian: Und wieviel frisst so ein Schaf?

Stefan: Ein Ballen Heu sind so 10 kg, unsere kleine Herde mit 7 Tieren frisst im Winter ein bis anderthalb Ballen pro Tag.

Dorfgeräusche als Hintergrundkulisse. Ein Traktor fährt auf der Dorfstraße vorbei, ein Schaf blökt entfernt.

Stefan: Man kann natürlich mit Schafen auch wandern, wenn man keine eigene Standweide hat. Auch im Siedlungsbereich geht das. Beim Wandern muss man die Schafe hüten, also aufpassen, dass die Tiere auf der vorgesehenen Fläche bleiben und beispielsweise nicht im benachbarten Hausgarten Zierpflanzen abweiden. Dafür braucht man dann einen Hütehund. Aktuell sind Border Collies beliebte Hütehunde. Wenn man eine kleine Schafherde hält – als deutlich mehr als 10 Tiere – dann hat man idealerweise einen geschulten Hütehund und dann macht das Hüten richtig Spaß. Wir haben aber leider keinen Hund – wir haben unsere Katze abgerichtet (lacht). Die kommt immer mit zur Herde.

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Florian: Jetzt einmal zum wirtschaftlichen Aspekt. Du verkaufst ab und zu eines Deiner Schafe?

Stefan: Genau. Wir haben 7 Mutterschafe und in der Regel dann so 10-12 Lämmer im Jahr und die werden eben verkauft. Ein bis zwei Lämmer behalten wir immer und die Mutterschafe werden auch immer mal wieder verjüngt, sozusagen. Durch den Verkauf der Lämmer finanzieren wir die Herde – Heu, Tierarztkosten, das Scheren, die Pacht der Weideflächen – das ist dann ein Nullsummenspiel. Da kann man nix dran verdienen.
Schafe werden – wenn man sie alt werden lässt – 12 bis 15 Jahre alt, aber dann kann man sie natürlich nicht mehr essen. Wenn man die Schafe verkaufen möchte, sollten sie nicht älter als drei bis fünf Jahre alt sein. Lämmer werden bereits mit einem Jahr verkauft.

Florian: Also das, was man unter dem Begriff Osterlamm kennt, ist dann kein Lamm, das um Ostern herum geboren wurde und erst wenige Tage alt ist?

Stefan: Nein. Die sind dann schon einige Monate alt. In der Regel sind die Osterlämmer vor Weihnachten geboren und werden dann zu Ostern geschlachtet. Unsere Lämmer hier sind zu Ostern geboren und werden dann – falls wir sie nicht behalten – im folgenden Winter verkauft und dann geschlachtet.

Paula (die 20-jährige Tochter, die bis jetzt nur zugehört hat): Die werden nicht geschlachtet!

Florian: Manchmal vielleicht schon. Du isst sie dann nicht.

Stefan: Man kann natürlich auch Schafe halten ohne einen Bock, dann werden die 10-15 Jahre alt und sterben eines natürliche Todes …

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Malte (der 17-jährige Sohn erscheint auf der Terrasse, es ist kurz vor 13 Uhr): Morgen, warum hat mich denn keiner geweckt?

Florian: Wir machen noch kurz weiter, wir sind aber auch gleich fertig.

Stefan: Fällt Dir noch eine Frage ein?

Florian: Hast Du eine Buchempfehlung? Welches Buch gehört auf den Nachttisch des angehenden Schäfers?

Stefan: Da gibt es natürlich eine Vielzahl an Fachliteratur. Zu empfehlen ist „Praktische Schafhaltung“ von Christian Mendel. Mit dem Buch kann man sich an das Thema herantasten und die Punkte, die wir hier besprochen haben, werden da noch einmal vertieft, z.B. über die Zucht von Schafen, die Auswahl der Rasse und soweiter. Bücher sollten aber immer nur eine Ergänzung zu den praktischen Tipps von anderen Schäfern sein.

Florian: Bist Du Mitglied im Schäferverband, oder was gibt es da für Schafhalter?

Stefan: Nein, ich bin da kein Mitglied. Es gibt den Schafzuchtverbände, da kann man Mitglied werden. Außerdem gibt es noch spezielle Zuchverbände für die einzelnen Rassen, also auch für unsere Coburger Fuchsschafe.

Florian: Hast Du reinrassige Schafe? Ist das auf irgendeine Art zertifiziert oder sieht der Kenner das einfach?

Stefan: Das kann man sehen. Aber es gibt auch sogenannte Herdbuchtiere, die sind in ein Register eingetragen und wenn man ein Tier von einem Züchter kauft, dann bekommt man ein Zertifikat. Aber wir machen das nicht.

Florian: Du achtest schon darauf, dass eure Schafe echte Coburger Fuchsschafe bleiben, aber Du hast da keinen Belege dafür.

Stefan: Wir haben unsere eigene Zuchtlinie, hinsichtlich der Färbung und der Kopfform. Wie Tiere sich äußerlich und vom Charakter her entwicklen, bekommt man mit der Zeit heraus. Wenn man sich Mutterschaf und Bock anschaut, bekommt man eine Vorstellung davon, wie die Lämmer später mal aussehen werden. Wir haben zum Beispiel immer darauf geachtet, dass die für die Rasse typische rot-braune Fuchsfarbe erhalten bleibt. Wenn wir einmal hellere Tiere hatten oder der Kopf zu breit war, haben wir die immer aussortiert. Darum haben wir auch die schönsten Schafe im Weserbergland …

Florian: Gibt es Gefahren für die Schafe hier bei Dir? Wölfe vielleicht, die Lämmer reißen, oder Adler?

Stefan: Nein, die Schafe haben hier in unserer Kulturlandschaft eigentlich keine natürlichen Feinde. Eine Ausnahme gibt es. Wenn Lämmer frei auf der Weide geboren werden, dann kann es schon sein, dass einmal ein Fuchs ein Lamm holt, das ist uns auch schon passiert.
In Norddeutschland gibt es jetzt ja drei Wolfsrudel. Schafhalter in der Nähe dieser Rudel sollten sich einen»Wolfszaun« anschaffen. Das ist ein Zaun, der rote Lappen aufweist. In der Regel gehen die Wölfe dann nicht an die Herde, weil sie sich vor den Lappen fürchten. Wenn tatsächlich einmal Wölfe Schafe reißen, dann gibt es in Niedersachsen eine Regelung zur Entschädigung. Voraussetzung ist allerdings der Nachweis, das der Täter tatsächlich ein Wolf und kein Hund war. Die meisten Schafe werden allerdings von wildernden Hunden gerissen.

Florian: Gibt es Pflanzen, die nicht auf der Weide sein dürfen, weil sie für die Schafe giftig sind?

Stefan: Die Schafe gucken schon sehr genau, was sie fressen und meiden Giftpflanzen. Es gibt einige Pflanzen, die die Tiere nicht erkennen, wenn sie ins Heu gelangen – das ist zum Beispiel das Malteskreuzkraut. Eine geringe Menge an Giftpflanzen wird von den Tieren aber vertragen, die sind da nicht empfindlich. Eine Ausnahme sind Eiben, wenn die gefressen werden, sterben die Tiere davon. Eiben sind so giftig, da sollte man besonders im Siedlungsbereich darauf achten, dass die Pflanze nicht in der Nähe der Weide wachsen.

Florian: Noch Fragen?

Agnes (die bisher in der Sonne gedöst hat): Heute morgen kam noch die Frage auf: Muss der Schäfer auch nachts manchmal ’raus?

Stefan: Ja … In den großer Herden auf jeden Fall. Ich habe einen Bekannten, der hat eine großer Herde mit 800 Muttertieren, da werden zur Zeit 30 Lämmer am Tag geboren und der ist natürlich 24 Stunden am Tag unterwegs und muß immer da sein und gucken, dass alles richtig läuft.
Auch als Hobbyhalter muss man mal nachts ’raus. Es gibt ja auch den Fall, dass ein Lamm von der Mutter nicht angenommen wird. Dann wird das Lamm in den ersten drei Wochen alle vier Stunden mit Lämmermilch versorgt – Tag und Nacht. Lämmermilch kann man tiefgefroren kaufen, die wird aufgewärmt auf Körpertemperatur. Dazu gibt es eine kleine Nuckelflasche und das Lamm wird von Hand gefüttert. Da ist man dann gut beschäftigt.

Florian: Habt ihr das schon einmal gemacht?

Stefan: Das haben wir schon gemacht. Einmal! Das Lamm hat überlebt und war sehr lange bei uns. Flaschenschafe sind in der Regel ganz zahm und werden bei uns häufig zum Leittier der kleinen Herde. Wenn man die ruft, dann kommt die ganze Herde.

Florian: Das wollte ich auch noch fragen, wie ist eine Herde organisiert? Bei deinen 7 oder 10 Schafen gibt es dann ein Leittier, dem die anderen folgen?

Stefan: Ja. Es gibt in der Herde immer – auch wenn kein Bock dabei ist – eine Hierarchie: Das Leittier kann man nicht daran erkennen, das es die anderen Schafe wegboxt. Das Leitschaf ist aufmerksamer als die anderen und in der Regel auch zugänglicher. Wenn das Leitschaf wegläuft, laufen die anderen hinterher und wenn es kommt, kommen die anderen Schafe auch. Deshalb sollte das Leitschaf immer ein Schaf sein, das Autorität ausstrahlt – das gibt es tatsächlich – und es sollte nicht zu scheu sein, damit man die Herde auch managen kann.

Florian: Manche von Deinen Schafen haben auch Namen. Du kannst sie also direkt ansprechen.

Stefan: Ja. Wenn man sich mit den Schafen beschäftigt, sieht jedes Schaf individuell anders aus und wenn man nicht zu viele Schafe hat, kann man den Tieren individuell auch Namen geben. Eines wollte ich noch zu den Lämmern sagen. Wenn man ein „Waisenkind“ bei den Lämmern hat, gibt auch die Möglichkeit, dass man das Lamm einem anderen Mutterschaf unterschiebt. Wichtig ist, dass das Mutterschaf das Lamm sofort nach der Geburt ableckt. Dabei nehmen die Muttertiere den Geruch der Lämmer auf und dann werde sie als eigenes Lamm akzeptiert. Das machen die Muttertiere insbesondere dann, wenn sie selber kurz vor dem Ablammen sind.

Florian: Dann spart man sich die mühselige Arbeit mit der Flasche alle vier Stunden.

Stefan: Genau. Das ist das geschickteste, was man machen kann.

Florian: Tja, dann vielen Dank für Deine Zeit und die ausführlichen Informationen über die Schafzucht.

WIKIPEDIA  Das Coburger Fuchsschaf (auch Coburger Fuchs) ist eine Rasse des „Hausschaf“ (Ovis gmelini aries). Es handelt sich um eine anspruchslose und widerstandsfähige alte Landschafrasse, die früher besonders in kargen Mittelgebirgslandschaften weit verbreitet war.

Eine Besonderheit des Coburger Fuchsschafes ist seine Farbe. Bei der Geburt haben die Lämmer eine goldgelbe bis rotbraune Farbe; die Farbe der Wolle hellt im Laufe der Zeit auf, hat aber auch bei erwachsenen Tieren im Allgemeinen noch einen leicht rötlichen Schimmer; am Kopf und an den Beinen verbleibt die ursprüngliche rotbraune Färbung. Viele Tiere haben außerdem einen „Aalstrich“. Als Zuchtziel wird ein mittelgroßes Schaf mit einem schmalen, hornlosen Kopf und leicht hängenden Ohren gewünscht. Seit 1966 ist die Rasse als Landschafrasse vom „Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft“ anerkannt.

Aufgrund der geringen Bestandsgröße wird die Haltung von Coburger Fuchsschafen in Niedersachsen und Bayern und finanziell unterstützt. Einige Zoos haben sich gleichfalls der Erhaltungszucht dieser alten Rasse angenommen.

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